Exzellenzen, verehrte Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Meyer,
sehr geehrter Herr Landesbischof Schuegraf,
sehr geehrter Herr Reginalbischof Cordemann,
sehr geehrter Herr Ortsbürgermeister Stock,
liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde,
heute Abend, nach dieser Vesper, die uns auf ein für uns bedeutsames Ereignis einstimmt – die Weihe des erneuerten Klosters in Himmelsthür –, ist es mir eine Freude und eine Ehre, Sie hier herzlich willkommen zu heißen.
In der Heiligen Schrift stehen die Worte: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!“ (Röm 12,15). Diese Botschaft, auf den ersten Blick ganz einfach, gewinnt für mich mit der Zeit immer mehr an Gewicht. Immer deutlicher erkenne ich, dass das Wichtigste, was uns im Leben widerfährt, in diesen beiden Worten Platz hat – in Freude und in Trauer. Begegnungen und Abschiede, Fortgehen und Ankommen, Geburt und Tod … Alles andere bleibt irgendwo dazwischen und berührt uns selten mit der Kraft wahrer Freude oder wahrer Trauer.
Wir leben jedoch in einer Welt und in einer Zeit, in der um uns herum so vieles geschieht und so rasch wechselt, dass es uns nicht gelingt, an all dem wirklich Anteil zu nehmen. Nicht immer finden wir die Kraft, uns aufrichtig zu freuen oder Trauer tief zu empfinden. Und gerade das kann uns in Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Lauheit führen.
Und es gibt, liebe Freunde, kaum etwas Gefährlicheres. Die Heilige Schrift mahnt uns eindringlich: „Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.“ (Offb 3,15–16).
Umso größer ist deshalb unsere Freude, dass Sie unserer Einladung gefolgt und mit offenem und warmem Herzen gekommen sind, bereit, die Fülle dieses Tages mit uns zu teilen. Ihr Kommen ist uns eine große Ehre.
Wir sind uns bewusst, dass wir hier zugleich Gäste und doch zu Hause sind, Fremde und Zugewanderte – und dass wir mit der Zeit allmählich auch zu Alteingesessenen werden. Unsere Vorfahren kamen aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland, meist auf der Flucht vor Not und Unheil. Manche wurden in dieses Land verschleppt, andere angeworben; manche kamen freiwillig, andere, weil ihnen keine Wahl blieb; einige sind zurückgekehrt, viele aber sind geblieben. Jahre und Jahrzehnte vergingen, neue Generationen wurden geboren, und die Gebliebenen sind in vielem auch zu Deutschen geworden – in Bildung und Lebensweise, viele auch in der Sprache –, ohne dabei ihre serbischen Wurzeln zu verlieren.
All das ist eine wichtige Dimension unseres Lebens und unserer Identität. Für uns Christen gibt es jedoch noch eine tiefere Dimension, die uns verbindet – unabhängig davon, woher wir gekommen sind, welche Sprache wir sprechen und wie lange wir schon an diesem Ort leben. Sie entspringt unserem christlichen Glauben, der in Christus und im heiligen Evangelium gründet. Darum bedeutet es uns so viel, dass Sie heute Abend hier sind, mit uns und unter uns – als Nachbarn, als Gastgeber, als diejenigen, die seit jeher hier zu Hause sind, vor allem aber als Christen, mit denen wir den Glauben an Christus und sein Evangelium teilen. Dieser Glaube verbindet uns mit festen und bleibenden Banden, die über alles Trennende hinausreichen.
Heute, da wir von Kriegen und Krisen hören und sehen, wie leicht sich Menschen voneinander entfernen, müssen wir immer wieder zum Evangelium zurückkehren und in ihm neu den Weg finden: auf den gekreuzigten Christus schauen, uns über seine Auferstehung freuen und jedes Wort des Evangeliums hören, das wie lebendiges Wasser sprudelt und uns immer neu zuruft: „Freut euch!“ Diese Freude teilen wir heute Abend mit Ihnen.
Möge dieses erneuerte Kloster, auf dessen Weihe wir uns freuen, ein sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit und ein Ort unserer Begegnung sein. Mögen seine Türen jedem offenstehen, der hierher kommt und Gebet, Begegnung, Trost oder Freude sucht. Möge es seinem Ortsnamen Ehre machen – als eine offene Tür zum Himmel.
Unser Stifter, Herr Drago Vuković, hat dieses Kloster gemeinsam mit seiner Familie erneuert und ihm weit mehr geschenkt als materielle Hilfe – seine Liebe, seine Opferbereitschaft und seine Selbstlosigkeit. Dafür gilt ihm und seiner Familie unser aufrichtiger Dank.
Und so bitte ich Sie von ganzem Herzen: Feiern Sie mit uns diesen festlichen Augenblick! Wir bitten den lebendigen Gott, dass er in unserer Mitte sei – heute und allezeit und in alle Ewigkeit.