Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
Lieber Vater Matthias, liebe Popadija Silvia,
Ihnen, Ihrer Familie, Ihrer ganzen Gemeinde und allen Gästen gratuliere ich von Herzen zum Fest des heiligen Lubentius, zum Patronatsfest Ihrer Pfarrei.
Unser hochgeweihter Metropolit Grigorije kann heute leider nicht bei uns sein. Er übermittelt seinen väterlichen Segen, seine Liebe und seine Gebete. Sein Herz ist erfüllt von Freude und Dankbarkeit über das Bestehen dieser Gemeinde, aber auch von der Hoffnung, dass sie weiterhin zur Ehre Gottes und zum Heil all jener wachsen möge, die in ihr in der Gnade Gottes heranwachsen und künftig heranwachsen werden, damit sie das Ziel ihres Daseins erfüllen, zu dem sie aus dem Nichtsein ins Sein gerufen wurden.
Wir beten zum Herrn und zum heiligen Lubentius, dass durch seine Fürbitten, durch die Fürbitten der Gottesmutter und aller Heiligen die Gnade Gottes unsere Herzen erfülle. Mögen sie zu fruchtbarem Boden werden, auf den der Same des Wortes Gottes fällt, und mögen unsere Herzen durch Gottes Gnade Früchte dieser Gnade hervorbringen. Mit diesen Früchten, gleich dem Öl, mit dem unsere Lampen überreich gefüllt sind, sollen unsere Seelen geduldig den Bräutigam erwarten.
Er schenkt sich uns ganz, indem er uns aus dem Kelch des Heils nährt, in dem Brot und Wein, sein wahrer Leib und sein wahres Blut sind. Diese erfüllen uns mit Gnade, schenken uns Leben und erwecken uns von den Toten, in dem Maße, in welchem wir für die göttliche Gnade empfänglich und fähig sind, an ihr teilzuhaben. Die göttliche Gnade bewahrt uns, soweit es möglich ist, davor, dass uns die Kommunion zum Gericht oder zur Verurteilung wird und wir durch unsere eigene Verletzlichkeit, Schaden nehmen.
Unser Herr Jesus Christus ist der Logos, das Wort Gottes. Durch dieses Wort wird uns das unaussprechliche Geheimnis des ewigen Seins der Heiligen Dreifaltigkeit mitgeteilt und geschenkt. Sie ruft uns dazu auf, am ewigen und seligen Leben des dreieinigen Gottes teilzuhaben. In dieses gesellige Geheimnis des Logos führen uns Worte ein, die ihrer äußeren Form nach menschlichen Worten gleichen, ihrem Wesen nach jedoch alle menschlichen Worte übersteigen. Es sind die Worte, die Gott dem Menschen von Ewigkeit her mitteilen wollte. Das will er auch heute noch, und er tut alles, damit die Worte seines Evangeliums unsere Herzen erreichen: die einzige wahrhaft gute Nachricht für den Menschen.
Der Apostel Paulus schreibt an die Korinther aus einem von der Gnade des Heiligen Geistes erleuchteten Herzen. Und seine Worte gelten auch uns:
(Perikope 176)
- Denn Gott, der sprach, dass Aus der Finsternis Licht hervorleuchten soll, ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist, damit die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes auf dem Angesicht Jesu Christi erstrahle.
Dank dieses Lichtes sind wir heute an diesem heiligen Ort zusammengekommen. Ermutigt von der Gnade Gottes, in der der heilige Lubentius lebte und mit der er dem himmlischen Reich entgegenwanderte, wollen auch wir gehen, im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und nicht auf unsere eigenen Kräfte.
Der Apostel Paulus mahnt uns weiter:
- Diesen Schatz aber tragen wir in irdenen Gefäßen, damit die überragende Kraft von Gott stammt und nicht von uns.
Diese Worte kommen aus dem demütigen, Christus tragenden Herzen des heiligen Apostels Paulus. Er erkennt den tiefen Sinn darin, dass uns der Schatz der Gnade anvertraut wurde, damit wir ihn in den irdenen Gefäßen unserer Leiber tragen, die aus sich selbst, wie die Erde überhaupt, nichts besitzen. Das Bewusstsein dieser Tatsache trägt zur Demut unserer Herzen bei. Sie ist die wesentlichste Eigenschaft der heiligen göttlichen Liebe, aus der alle Heiligen leben, aus der auch alle Christen leben sollten und zu der alle Menschen berufen sind.
Im Bewusstsein unserer eigenen Nichtigkeit auf der einen Seite und der Herrlichkeit Gottes auf der anderen, die in uns wohnt und uns dem Tod und dem Verderben der Sünde entreißt, können auch wir uns dem paradoxen Hymnus des Apostels Paulus anschließen:
- Von allen Seiten werden wir bedrängt, aber nicht erdrückt; wir sind ratlos, aber nicht verzweifelt;
- verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht vernichtet;
- allezeit tragen wir das Sterben des Herrn Jesus an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar werde.
- Denn wir, die wir leben, werden um Jesu willen beständig dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Leib offenbar werde.
- .So wirkt also der Tod in uns, das Leben aber in euch.
Alle diese Worte weisen auf jene paradoxe Wirklichkeit hin, die ich bereits erwähnt habe: die Erfahrung der Herrlichkeit Gottes durch die Erfahrung verschiedener Leiden. Diese Leiden mögen aus unserem von Sünde gezeichneten Inneren kommen, das dem Einfluss gefallener Geister ausgesetzt ist, oder von außen durch die unterschiedlichsten Umstände. Oft erschöpfen sie uns und bringen uns, wie es uns scheint, an die Grenzen unserer Belastbarkeit. In solchen schweren Situationen fragen wir uns, ob das, was wir tun, überhaupt einen Sinn hat, da wir sowohl innerlich als auch äußerlich Niederlagen erleiden. Doch wir schöpfen Mut aus der Tatsache, dass alle unsere heiligen Vorgänger aus ferner Vergangenheit diesen dornenreichen Weg gegangen sind, ebenso wie viele unserer Zeitgenossen, die auf dem Weg zum Reich Gottes gelitten haben und noch immer leiden. Deshalb ist es wichtig, neben der Heiligen Schrift auch die Lebensbeschreibungen der Heiligen zu lesen. Sie sind, wie der heilige Lubentius, der Schutzpatron dieser heiligen Gemeinde, ein lebendiges und konkretes Zeugnis des Lebens in Christus, zu dem wir berufen sind und das in den Augen dieser Welt, die im Bösen liegt, als Torheit gilt.
Das Evangelium, nach dem die heiligen Menschen Gottes lebten und leben, ist kein anderes als jenes, das Christus selbst uns überliefert hat. Ihr Leben bestätigt vielmehr die ununterbrochene Gegenwart der Gnade des Heiligen Geistes, durch die Christus wunderbar ist in seinen Heiligen.
So sind die Heiligen lebendige Zeugen jener ewigen Wahrheit, die der Herr uns in den Seligpreisungen verkündet hat, die wir soeben aus dem Evangelium nach Lukas gehört haben.
Selig, ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes.
In dieser Welt gilt Reichtum als Glückseligkeit. Die Heiligen aber haben mitten in ihrer Armut die Seligkeit erfahren, das heißt die gnadenhafte Gabe des Heiligen Geistes. Sie wollten sogar noch ärmer werden und fanden ihre Freude an der göttlichen Gnade, im vollen Bewusstsein, dass diese Gnadengabe alle denkbaren und undenkbaren irdischen Güter übersteigt. Auch wenn es im Lukasevangelium nicht ausdrücklich erwähnt wird, schließt die Armut der Seligen unweigerlich auch die Armut im Geiste ein, also jene Demut, in der der Mensch sich selbst für geringer und schlechter hält als alle anderen Menschen, ja sogar als die gesamte Schöpfung.
Selig, ihr hungernden, denn ihr werdet gesättigt werden.
Die Diener Christi hungern in dieser Welt oft. Sie hungern wegen Armut und Entbehrung. Sie hungern mit ihren Leibern, doch noch mehr hungern sie mit ihren Herzen und Seelen. Sie hungern und dürsten nach der göttlichen Gnade. Auch wenn der Evangelist Lukas weder den Durst erwähnt noch ausdrücklich davon spricht, dass es um das Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit geht, ist doch gewiss auch dies mitgemeint.
In dieser Welt gilt es als Glückseligkeit, wenn man der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen und Genugtuung erlangen kann. Darauf besteht der Mensch: zu beweisen, dass er im Recht ist, und die Befriedigung zu genießen, die ihm daraus erwächst, sei es in materieller, moralischer, emotionaler oder irgendeiner anderen Hinsicht.Die Diener Christi dagegen hungern und dürsten nach Gerechtigkeit als Barmherzigkeit und Rechtfertigung für sich selbst und für alle Menschen. Sie wissen, dass es keine Gerechtigkeit und keine eigene Rechtschaffenheit geben kann, die den Abgrund zwischen unserer Nichtigkeit und Verderbtheit einerseits und der Barmherzigkeit Gottes, durch die wir gerechtfertigt werden, andererseits überbrücken könnte.
Auch wir sind heute hierhergekommen, ohne zuvor gegessen oder getrunken zu haben. Damit bezeugen wir, dass unsere Sättigung nicht von gewöhnlicher Speise und gewöhnlichem Trank kommt und auch nicht kommen kann, sondern vom Leib und Blut des einzigen Gerechten unter den Menschen. Er hat um unserer Sünden willen gelitten und ist auferstanden, um auch uns, die wir noch immer leiden, mit der Auferstehung und der Herrlichkeit des künftigen Reiches zu nähren.
Selig, ihr weinenden, denn ihr werdet lachen.
In dieser Welt gelten jene als glücklich, die lachen. Wahrhaft selig aber sind die Diener Christi, die weinen. Denn ihre Herzen verlässt nicht der Schmerz darüber, dass sie unnütze und unfruchtbare Erde sind, die sich, mit freiem Willen beschenkt, gegen ihren Schöpfer erhebt und den eigenen Willen statt des Willens Gottes tut.Aus schmerzvollem Herzen weinen sie über ihre eigene Entfernung von Gott ebenso wie über die Entfernung aller Menschen und der gesamten Schöpfung von Gott. Ihre Tränen aber bringen keine Verzweiflung, Angst oder Hoffnungslosigkeit hervor, sondern den gnadenhaften Trost, den der Heilige Geist, der Tröster, schenkt.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, wenn sie euch ausstoßen und schmähen und euren Namen als böse verwerfen um des Menschensohnes willen.
Die Seligpreisungen stellen auch eine gewisse Leiter des geistlichen Aufstiegs dar. Diejenigen, die sich durch ihr Leben in Christus der Vollkommenheit genähert haben, wurden und werden gehasst und ausgestoßen; man erklärt sie für böse. Die Welt kann ihre Gegenwart nicht ertragen, denn sie bezeugen die Wahrheit des Lebens in der Gnade, zu dem alle Menschen berufen sind, das aber die Mehrheit zurückweist. Christus ermutigt sie alle mit den Worten:
Freut euch und frohlocket, denn seht, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn genauso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
Diese Worte beschreiben, was die Herzen der Heiligen erfüllt. Sie freuen sich tatsächlich mitten in Bedrängnissen und Verfolgungen. Leiden und Erniedrigungen um Christi willen betrachten sie als große Ehre und als Segen, denn sie tragen in ihren Herzen das Zeugnis, dass ihr Lohn im Himmel alles übersteigt, was sie auf Erden erwerben oder empfangen könnten. Im Vergleich zum Himmlischen ist all dies vollkommen nichtig. Die Erfahrung der Heiligen ist die authentische Erfahrung des Lebens in der Gnade Christi, wie sie von der Zeit des Neuen Testaments bis heute bezeugt wird. Heiligkeit als Erfahrung der Gnade ist eine Lebensweise, zu der wir alle berufen sind. Der heilige Sophronius hat immer wieder betont und betont es weiterhin, dass wir das Ziel, für das wir geschaffen wurden, niemals aus den Augen verlieren dürfen: durch Gnade zu Göttern zu werden. Die Heiligen sind durch Gnade zu Göttern geworden. Sie bezeugen uns die Wahrheit der Vergöttlichung und der Teilhabe am Leben der Gnade. Deshalb helfen sie uns, wenn wir sie im Gebet anrufen.
Gesegnet sei dieser Tag und das Fest des heiligen Lubentius. Möge der Herr auf seine heiligen Fürbitten hin diese heilige Gemeinde segnen, bewahren und stärken, damit sie an diesem Ort all jenen Trost und Zuflucht bietet, die nach dem Reich Gottes hungern und dürsten, das durch die Überlieferung der Heiligen zu uns gelangt.
Amen.