МИНХЕН, НОВОСТИ

Anlässlich des Jubiläums des 75-jährigen Bestehens der Serbischen Orthodoxen Kirchengemeinde in München / Erzpriester-Stavrofor Slobodan Milunović

75-jähriges Jubiläum der Serbischen Orthodoxen Kirchengemeinde München

„Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Da sagte man unter den Völkern: Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!“ (Ps. 126,2)

Vom Beginn:

75 Jahre seit der Entstehung sowie das weitere Bestehen einer Kirchengemeinde in der Diaspora: Das ist kein unbeachtlicher Zeitraum, sodass durchaus Anlass für einen Rückblick der letzten siebeneinhalb Jahrzehnte besteht.

Die Münchener Kirchengemeinde ist eine der ältesten Deutschlands. Inoffiziell sind die Anfänge der pastoralen Arbeit mit den Kriegsgefangenen und politischen Flüchtlingen bereits auf das Jahr 1945 zu datieren, seit den 1960er Jahren bildeten die „Gastarbeiter“ den Großteil der Gemeindemitglieder. Formell gibt es die Kirchengemeinde seit dem 24.04.1946. Damals umfasste sie mehrere Gebiete sowie Konzentrations- und Arbeitslager auf bayerischem Gebiet. Der erste Gemeindepriester war Sergije Selivanovski, der vom April 1946 bis Mai 1950 tätig war. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus bestätigte mit einem Beschluss vom 12.06.1946 offiziell das Bestehen sowie das Wirken der geistigen Gemeinschaft in München. Eine Mitschrift zeugt davon, dass es im Jahr 1946 eine „Gründungsversammlung mit etwa 80 Mitgliedern“ in der Werner und Funk Kaserne gab, wo sich etwa 1500 Serben befanden. Am 22.03.1947 fand erneut eine Gründungsversammlung in der Mauerkircherstraße 8 (München) der SOKg (Serbischen Orthodoxen Kirchengemeinde) mit etwa 180 Mitgliedern statt, was als das Gründungsdatum der Kirchengemeinde wahrgenommen wird. Einen Monat später, am 29.04.1947 wurde auch der der Verband Serbischer Schwestern (Kolo srpskih sestara) gegründet. Die Kirche wurde dem Heiligen und Apostelgleichen russischen Großfürsten Vladimir gewidmet.          
Mit der Ankunft des neuen Erzpriesters Aleksa Todorović am 30.07.1950, erlebte die Gemeinde eine große Entwicklung. Sowohl die Gottesdienste als auch die soziale Arbeit intensivierten sich, auch wenn die Bedingungen miserabel waren. Bezüglich der offiziellen Anerkennung der Serbischen Orthodoxen Kirchengemeinde in München ist zu erwähnen, dass sie am 02.07.1962 als e.V. (eingetragener Verein) registriert wurde.

Hierarchie der Serbischen Orthodoxen Kirche seit dem Bestehen der Kirchengemeinde München:

Patriarchen: Gavrilo, Vikentije, German, Pavle, Irinej, Porfirije
Bischöfe der Diözese: Dionisije, Lavrentije, Konstantin, Sergije, Grigorije
Priester der Kirchengemeinde: Sergije Selivanovski, Živojin Zdravković, Priestermönch
Nikodim Matić, Sergije Lipski, Đura, Aleksa Todorović, Slobodan Milunović, Đorđe Trajković, Vidosav Vujasin, Dragan Stanojević, Bogoljub Popović, Ljubomir Zorica, Marinko Rajak, Milorad Jovanović, Predrag Gajić, Dragan Jovanović, Bojan Simić, Dragiša Jerkić.
Diakone: Zoran Andrić, Oliver Grulović, Mladomir Milunović, Dejan Ristić.

Kirchen: Kirche der Auferstehung Christi in der Kaserne am Freimann 1945, Kapelle der Übertragung der Reliquien des Hl. Nikolaus in der Kaserne Schwere-Reiter-Straße 4, seit 1951 die Kapelle des Hl. Apostelgleichen Großfürsten Vladimir in der Donaustraße 5 (Bogenhausen). Die Kapelle zog 1952 in die Infanteriestraße 12 um und blieb dort bis 1994, als sie in das neu erbaute Kirchenzentrum in München-Perlach einzog. 1996 wurde die Kirche im neuen Zentrum fertiggebaut. Das letzte Patronatsfest in der Infanteriestraße 12 fand am 31.07.1994 statt.

 

Das Serbische Orthodoxe Kirchen- und Kulturzentrum in München-Perlach:

Die Grundsteinlegung des neuen Kirchenzentrums erfolgte am Sonntag der Orthodoxie, dem 15.03.1992 unter Anwesenheit des Diözesanbischofs Konstantin, des Metropoliten Augustinus des Ökumenischen Patriarchats sowie weiterer hochrangiger Vertreter der Kirchen und der Stadt. Zwei Jahre später, am 16.10.1994 war das Kirchenzentrum einzugsbereit und wurde vom Metropoliten Jovan von Zagreb-Ljubljana sowie der Bischöfe Lavrentije von Šabac, Dimitrios (Weihbischof der griechischen Metropolie) und Irinej von Niš geweiht. Ein halbes Jahr früher, am 04.04.1994 wurde der Vertrag zur Erbauung der Kirche unterzeichnet, am 17.05.1995 erhielt die Gemeinde die Baugenehmigung. Die Kirche wurde am Gedenktag des Hl. Stefan von Dečani (24.11.1996) seitens des Metropoliten Jovan von Zagreb-Ljubljana sowie der Bischöfe Konstantin von Mitteleuropa, Irinej von Niš, Aleksander von Kostroma, Mark von Deutschland und weiterer orthodoxer und nichtorthodoxer Kirchenvertreter geweiht.

Für die Realisierung der Erbauung des Kirchenzentrums fand am Festtag der Heiligen drei Hierarchen (12.02.1984) unter Anwesenheit des damaligen Diözesanbischofs Lavrentije, zahlreicher Vertreter der Kirchen und der Stadt sowie mehrerer hunderter Gemeindemitglieder eine erste gemeinsame Aktion statt. Am Festtag des Heiligen Apostels und Evangelisten Markus (08.05.1995) wurde der Platz für den künftigen „Tempel des lebendigen Gottes“ (2 Kor 6,16) geweiht. Ursprünglich sollte der damalige Patriarch Pavle der Serbischen Orthodoxen Kirche die Weihe vollziehen, aufgrund der Kriegssituation in Jugoslawien war er jedoch verhindert. Als Vertreter des Patriarchen und Mitglied des Heiligen Synods kam Bischof Irinej von Niš. Die Grundsteinlegung der Kirche erfolgte am 17.03.1996, während die erste Liturgie bereits am 24.11. desselben Jahres gefeiert wurde (Die Baurabeiten wurden in nur acht Monaten zu Ende gebracht), damit alle „auf ihn hin wachsen“ (Eph 4,15).

Der Patron des Kirchenzentrums ist der Heilige Großfürst Vladimir geblieben, während die Kirche dem Heiligen Märtyrer und serbischen Fürsten Jovan Vladimir gewidmet wurde. Die beiden heiligen lebten in derselben Zeit und verstarben im Abstand von nur einem Jahr (1015&1016)..

Die Münchener Gemeinde umfasste auch weitere Orte in Oberbayern, in denen regelmäßig Gottesdienste gehalten wurden: Amberg, Augsburg, Bad Aibling, Gauting, Dornstadt, Ingolstadt, Ludwigsfeld, Luttensee-Mittenwald, Manching, Valka-Lager, Zirndorf, Passau, Prien, Rosenheim, Landshut, Moosburg, Memmingen, Traunreut..

1981 feierte die Kirchengemeinde ihr 35-jähriges Jubiläum, indem sie eine ökumenische Woche vom 13.-20.09. organisierte, während im Jahr 1997 das 50-jährige Jubiläum gefeiert wurde. Zu diesem Anlass wurde eine Denkschrift mit dem Segen des Serbischen Patriarchen Pavle herausgegeben, der diesbezüglich äußerte: „…möge Gott vor der Vergessenheit der Bedeutung, der Anstrengungen sowie des Wirkens dieser Kirchengemeinde behüten, die zum Erhalt des orthodoxen Glaubens bei den in München und der Umgebung lebenden Serben beiträgt, sodass wir uns gemeinsam geistig erfreuen und gegenseitig ermutigen können…“

Die Kirchengemeinde München wurde von einer Reihe von namhaften Persönlichkeiten der Kirche und Öffentlichkeit besucht. Zu nennen ist der Besuch vom Hl. Nikolaj Velimirović, König Petar II. Karađorđević (1954&1957) sowie seinem Sohn und Thronfolger Aleksandar. Zudem ist der Besuch von hochrangigen Vertretern der Katholischen und Evangelischen Kirche, wie der vom Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI, zu nennen.
Hierbei sei auf die unermüdliche und tatkräftige Unterstützung beider Schwesterkirchen sowie der Vertreter der Stadt München zur Erbauung des Kirchenzentrums verwiesen, denen wir überaus dankbar sind.

Einige Großprojekte der Kirchengemeinde:

  • Die bayernweit zerstreuten Gläubigen auffinden
  • Das Schaffen der Bedingungen für regelmäßige Gottesdienste sowie die Pastoralarbeit (Kirchengebäude, Räumlichkeiten etc.)
  • Organisation der Katechese sowie des Serbischunterrichts
  • Gründung des Kirchenchores
  • Soziale Arbeit und die Sorge für Kranke und Gefangene
  • Gründung der „Vereinigten serbischen Jugend“ im Jahr 1990; 1983 wurde das Folkloreensemble „Srbija“ gegründet.
  • Die Kirchengemeinde sowohl nach Innen als auch nach Außen zu präsentieren; ökumenische und interreligiöse Beziehungen knüpfen und aufrechterhalten.
  • Gründung des serbischen Friedhofs in München-Perlach vor ca. 20 Jahren (bisher knapp 150 orthodoxe Serben dort begraben)
  • Humanitäre Hilfe für die im ehemaligen Jugoslawien lebenden Serben, insbesondere während des Bürgerkriegs in den 1990er

 

Herausgeberwerke:

Im August 1947 wurde die Zeitschrift „Život i rad“ (dt. Leben und Werk) ins Leben gerufen, während im Jahr 1952 die überaus erfolgreiche Edition „Svečanik“ in mehreren Reihen erschien. Bedeutende Mitwirkende dieser Edition waren beispielsweise Nikolaj Velimirović, der seelige Justin Popović, Prof. Georgije Spektrovski, Dr. Dimitrije Najdanović, Dr. Đogo Slijepčević, Dr. Laza Kostić, Prof. Vlajko Vlahović und viele weitere. Die Zeitschrift war auf der Schwarzen Liste des kommunistischen Jugoslawiens. Später sie regelmäßig in deutscher und serbischer Sprache unter dem Namen „Pfarrbrief“.

Heute in München:

Heute leben ca. 30.000 orthodoxe Serben in München und dem Umland, während die Kirchengemeinde vier Pfarreien mit vier Priestern und einem Diakon hat. Gottesdienste werden in der Kirche des Hl. Jovan Vladimir in München-Perlach sowie der Gebetsstätte des Maria-Schutzes im Münchener Norden gehalten.

Wir sind Gott für die Hilfe und alle Erfolge der letzten 75 Jahre dankbar. Wir beten zu ihm, dass wir von diesem Weg nicht abkommen, sondern dass wir ständig in inbrünstiger Liebe so wie bisher und noch intensiver die Missionsarbeit ausüben. All dies zum Gute der Kirchengemeinde im Sinne der Psalms 133: „wie gut und wie schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen.“

Wir bedanken uns bei allen Enthusiasten, Priestern, Kirchenvorständen, Verbänden serbischer Schwestern, Spendern und allen Gläubigen, die in irgendeiner Weise an diesem Heiligen Werk mitgewirkt haben und dessen Namen hier unmöglich niederzuschrieben sind. Möge der Herr ihnen dies mit Leben und Gesundheit vergelten, ganz im neutestamentlichen Sinne: „Vergesst nicht, Gutes zu tun, und vernachlässigt nicht die Gemeinschaft; denn an solchen Opfern hat Gott Gefallen!“ (Hebr. 13,16).      
Mögen wir auf diese Weise fortfahren: von der Vergangenheit über die Gegenwart hin zur besseren Zukunft, von Generation zu Generation gemäß den Worten des Apostels Paulus im 1. Korintherbrief: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen.“ (1 Kor 3,6)

Um das Patronatsfest des Hl. Jovan Vladimir, 22. Mai / 04.-05. Juni 2022 

Erzpriester-Stavrophor Slobodan Milunović

Der Text wurde aus der ersten Ausgabe des Gemeindebulletins ,,Svečanik“ übernommen.